Vorgeschichte

Die Geschichte über den Hauskauf:

Wir wollen uns nicht sagen lassen, was wir sollen, wir wollen uns gern auf die eigene Erfahrung verlassen. Die Bibel jedoch versucht uns immer wieder Weisungen zu geben, an die sie Zusagen knüpft. Sie ist voll Zusagen von Gott, zusammengefaßt: wenn Du Dich wohl verhältst, dann wird es Dir gut ergehen. Ich übersetze in die heutige Zeit:
Wenn Du die Naturgesetze einhältst, wenn Du alles das berücksichtigst, was heute bekannt ist, wie Leben funktioniert, wie Gott diese Welt geordnet hat, dann schaffst Du damit die besten Lebensbedingungen. Beeinträchtigt durch schlechte Lebenserfahrungen aber, können wir meist das eine oder andere nicht für wahr halten. Oftmals hält uns auch Angst ab, einen riskanten Schritt zu setzen.

Wie gehen wir mit Zusagen um, wie bin ich umgegangen? Deshalb möchte ich Euch diese Geschichte erzählen.

Ich hab 1972 die Integrierte Gemeinde München kennengelernt. Sie hat mir bestätigt: wenn wir den Zusagen oder Verheißungen von unserem Gott Glauben schenken, dann ist Unglaubliches möglich. So gibt es dort Gemeinsames Wohnen und Leben, eigenen Kindergarten, Schule, Bank und noch andere Wirtschaftsbetriebe. Alles zusammen: es wird Leben gestaltet, eine starke Vernetzung wirkt in die Gesellschaft hinein, es sind urchristliche Strukturen, die aber sonst oft belächelt und nicht für möglich gehalten werden.

Dadurch beflügelt, hab ich mich auf den Weg gemacht und das in meiner Situation Mögliche angesteuert, einen Ort der Begegnung zu schaffen, wo die der Natur entwöhnten Städter zusammen kommen können, um neue zukunftsweisende Erfahrungen miteinander zu machen.

Nach einer etwa zweijährigen Suche fand sich im Herbst 1973 folgende Annonce:

Notverkauf:  Frühstückspen-
sion  (teilweise unvollendet),
Kurort  Bucklige  Welt,  2 Sai-
sonen,  20 Zimmer,  4300 m2
Grund,  lastenfrei,   500.000, –
(Verhandlung) Intact, 93 93 05

Es war das bisher beste Objekt: angelegt als Frühstückspension, also für ein Gemeinschaftshaus gut brauchbar, alter Kern und neu ausgebaut mit gutem Umfeld. Sollte es dieses Haus werden?

Die Größe und der Kaufpreis ließen mich zuerst zurückschrecken. Das Haus war aber auch nicht fertiggestellt. War ich doch nur ein Mensch aus dem Mittelstand, 33 Jahre alt, 6 Jahre im Beruf, Familie mit zwei Kindern, Alleinverdiener, aber immer schon ein an die Zukunft vorausdenkender Mensch. Was mir zugute kam: ich hatte mit meiner Frau an die öS 400.000,- erspart, ohne Mitgift oder sonstiger Geschenke, hatte einen meiner Meinung nach gesicherten Job, bereits eine Wohnung, was brauchte es sonst noch? Ich vertraute auch meinen handwerklichen Fähigkeiten und fühlte mich soweit abgesichert, so dass ich dem Gedanken näher trat, dieses Objekt zu kaufen. Doch öS 100.000,- fehlten noch!

Die Frage, ob es Gottes Wille sei, beschäftigte mich als gläubiger Mensch sehr, ohne jedoch darauf eine konkrete Antwort zu finden.

Um den Kauf zu realisieren, musste ich noch weitere öS 100.000,- aufbringen, doch wie?
Naheliegend für mich war, zunächst bei meinem Arbeitgeber um einen Personalkredit anzusuchen. Nach langem Zögern der Geschäftsleitung bekam ich aber statt dem gewünschten Kredit die Kündigung. Ich war technischer Berater im Bereich Kunststoffe und Kunstharze. Die Erdölfirmen haben 1974 künstlich eine Verknappung herbei- geführt, was zur ersten Erdölkrise geführt hat. Jetzt meinte man, keine Beratung mehr anbieten zu brauchen, die Rohstoffe würde durch die Verknappung sich von selbst verkaufen. Außerdem konnte der Gruppenchef auch meinem Vorgesetzten damit  eins auswischen, indem er ihm einen Mitarbeiter wegnehmen konnte. Sie hatten seit jeher eine schlechte Beziehung zueinander.

Wie sollte ich jetzt mit dem Kauf ans Ziel kommen? Da fiel mir ein, ich hatte noch einen Bausparvertrag. Ich könnte doch einen Kredit nehmen. Doch die Bausparkasse der österreichischen Sparkassen lehnte die Sicherstellung durch das Haus und den Grund ab. Wieder nichts!
In dieser Situation hat mir mein Schwiegervater angeboten, seinen Vertrag bei der Bausparkasse der Volksbanken zu übernehmen. Das hat dann aber auch geklappt, wir haben den Kredit bekommen. Obendrein konnten wir mit den Verkäufern eine Ratenzahlung auf zwei Jahre vereinbaren. So wurde im Juni 1974 der Kauf abgeschlossen.

Es war nicht nur schwer die Finanzierung aufzubringen. Obendrein hat sich aber dann noch eine weitere Schwierigkeit ergeben: wir hatten damals schon ein eigenes Auto, einen Kleinwagen, eine Voraussetzung, um mit Kinder und Schwiegereltern von Wien nach Edlitz zu kommen. Eines tags, ein Monat nach dem Hauskauf, hat der Motor den Geist aufgegeben. Der Ersatzmotor kostete an die öS 12.000,-, das war damals soviel wie 5/4 meines Monatsgehalts. Was blieb uns anderes übrig, als der Reparatur zuzustimmen? Durch ein nicht nachweisbares Versehen der Werkstätte ist dann bei dem neuen Motor unbemerkt die Kühlung ausgefallen und es gab einen Kolbenreiber, also: die Reparatur war umsonst und das Auto war wieder kaputt…

Ich ließ mich nicht entmutigen. Es war mitten im Sommer, Ferienzeit. Ich hatte noch keinen adäquaten Job gefunden. Kurzerhand entschloß ich mich, als Hilfsarbeiter in einer Papierfabrik in Grimmenstein, dem Nachbarort, Geld verdienen zu gehen.
1979, als ich das erste Mal versucht hab, diese Geschichte aufzuschreiben, habe ich damals notiert:

„Es war eigenartig, bei allen Sorgen und Nöten verlor ich nie die Gelassenheit. Ich glaubte einfach, dass uns der Herr nicht alleine lassen und dass alles wieder weitergehen würde. Und wirklich, Mitte August bekam ich die Zusage, dass ich Anfang September bei Avenarius meine neue Stelle antreten konnte.“

Die ich bis Ende 1996 inne hatte, das waren 22 Jahre.

Warum erzähl ich diese Geschichte?
Weil ich Mut machen möchte, an das Gute, das uns Gott verheißt, zu glauben und uns auch dafür einzusetzen. Und ihr sollt wissen, was mir das Haus in Edlitz bedeutet: es ist mein Lebenswerk!
Ich hab viel dafür gegeben, Nach den ersten 10 – 15 Jahren voller Begeisterung folgten 30 Jahre Stillstand. Ich hatte nur die Arbeit mit Haus und Garten. Jetzt gibt es wieder einen Silberstreif am Horizont. Ich danke Euch für euer Mittun!

Bruno

Das muss ich noch hinzufügen:

Eine Begebenheit von der 40 Jahrfeier 2014. Da hat jemand, mit dem ich mich sehr verbunden weiß, folgendes gesagt:

„Ich sehe jetzt das Haus 40 Jahre später, ich hab das Haus gesehen und habe gedacht, ich habe überhaupt kein Bild von dem Haus, kein Außenbild von dem Haus, –  nichts – nur  ein Innenbild.  Das war für mich sehr überraschend. Ich habe offensichtlich nur registriert, was wir hier gemacht haben. Ich habe nur in Erinnerung, wie die Atmosphäre war und was wir da getan haben. Das war für mich in diesem Zusammenhang ausgesprochen spannend, offenbar hab ich abstrahiert, wie das Haus ausschaut, was nicht fertig ist. An das kann ich mich alles nicht erinnern, nur was wir hier erlebt haben. Das ist das eine, das andere ist, wie der Bruno seine ersten Visionen da produziert hat, da hab ich einen sehr kritischen Brief geschrieben, ob er glaubt, er sei jetzt die Integrierte Gemeinde München, wo wir nämlich gemeinsam dort waren und uns das angeschaut haben, ob er glaubt, dass er sie hierher verpflanzen kann und ich hab das sehr angezweifelt. Ich bin ein sehr pragmatischer Mensch und da habe ich gefunden, dass er sich da etwas übernimmt.

Also diese zwei Dinge, das widerspricht sich ja teilweise. Weil ich aber ein Innenbild habe, hat er ja offensichtlich doch etwas geschafft. Wann ich andererseits gesagt habe, das schaffst aber nicht, dann habe ich mir ja selbst widersprochen.“

Die Frau hat dann ein Foto gezeigt: „das ist mein Sohn vierjährig, ein Jahr nachdem sein Vater verstorben ist [er ist unerwartet sehr schnell an Krebs verstorben], er drückt alles aus, was man da ausdrücken kann… da kann ich nichts dazu sagen… So schaut ein Kind aus, wenn es wohin fährt, wo es im vorigen Jahr hingefahren ist mit Vater und im Jahr drauf ohne Vater. Ich hab sonst keine Edlitzfotos aber dieses. Für mich sagt das soviel aus, das ist hier im Schwimmbad gemacht worden. Es steht ausdrücklich Edlitz 1981 darauf. Ich beschrifte sonst nicht alle meine Fotos, es war mir damals scheinbar wichtig. Das sagt soviel aus: „mir ist alles wurscht, jetzt taugts ma …“
Das ist das Besondere an diesem Platz, das kann man nicht in Worte fassen, das muss man so stehen lassen. Außerdem ist mir dieses Foto auch nur zufällig gerade jetzt wieder in die Hand gefallen …“
Wir können heute vieles nicht erklären, aber das Leben schreibt die Geschichte. Ich bin gespannt, wie wir in 10 Jahren über den heutigen Tag denken werden…